Bischof Markus Büchel äussert sich zu sexuellem Missbrauch   

Die Schweizer Bischöfe sind bisher nicht durch mutige Äusserungen im Klartext aufgefallen. Deshalb fanden die sonderbaren Stellungnahmen des Churer Bischofs Vitus Huonder jeweils so viel Beachtung. Der St. Galler Bischof Markus Büchel macht nun vor, dass es auch anders geht. In einem offenen Brief an die Gläubigen seines Bistums schreibt er darüber, was schiefläuft – und das in einer Sprache, die jede und jeder versteht.

 

«Seit einigen Jahren werden die tiefen Wunden sichtbar, welche durch zahlreiche Übergriffe den meist jungen Menschen zugefügt wurden, die unschuldig zu Opfern wurden. Jede und jeder Einzelne ist eine oder einer zu viel. Das alles ist nicht neu und dennoch macht mich das Ausmass und die Grausamkeit sprachlos. Die Täter haben ihren kirchlichen Auftrag missbraucht und Abhängigkeiten ausgenutzt. Undurchschaubare Strukturen und irregeleitete Rücksicht auf den Ruf der Kirche machten es möglich, die Verbrechen zu vertuschen, das Leid der Opfer zu verdrängen und damit noch zu vergrössern. Deshalb drücke ich es ganz deutlich aus: Nicht die Aufklärung verletzt die Menschen und spaltet die Kirche, sondern die Verbrechen der sexuellen Gewalt und ihre Vertuschung.

 

Meine Anteilnahme und mein Gebet gelten in erster Linie allen, die an Leib und Seele geschädigt und verletzt wurden.